Wer keine eigenen Sorgen hat…

macht sich welche. So lautete sinngemäß der Kommentar meines Ehemannes, als mir heute die Tränen kamen. Weshalb? Nur ein Bericht im Fernsehen… über eine Buchverfilmung. Das Buch “Wüstenblume” von Waris Dirie, die erschütternde Lebensgeschichte eines Nomadenmädchens. Diese starke Frau flüchtete als Teenager aus der Wüste (und vor der Verheiratung mit einem ungeliebten Mann), und hatte Glück: weil sie schön ist, wurde sie Model… bewundert von vielen. Doch die Schatten der Vergangenheit ließen sie nicht los. Sie brachte den Mut auf niederzuschreiben, was in ihrer heimatlichen Kultur (immer noch) als ganz normal gilt: kleine Mädchen werden im Alter von 5 Jahren genital verstümmelt, und zwar von ihren weiblichen Verwandten. Die dasselbe durchgemacht haben… und es dennoch für notwendig halten… für eine (ehrbare?) Frauwerdung.

Das Entfernen der Klitoris (und das anschließende Zunähen, bis der Ehemann sein Recht fordert und die Naht aufschneidet) sind Maßnahmen ohne medizinische Notwendigkeit… ganz im Gegenteil. Viele der kleinen Mädchen verbluten dadurch, oder sie sterben an Blutvergiftung. Was mich richtig traurig macht ist die Tatsache, daß die Verstümmelungs-Opfer immer jünger werden (sogar in Europa)… oft wird diese bestialische Prozedur schon an Säuglingen durchgeführt. Vermutlich, weil die noch nicht darüber sprechen können. Wenn sie dann alt genug sind, zu verstehen was da passiert ist, haben sie den Zustand als normal angenommen… soweit das überhaupt möglich ist.

Mein “Berater” findet, daß jede Kultur das Recht hat, ihre Gewohnheiten beizubehalten (ohne Rücksicht auf Menschenrechte?), und wem’s nicht paßt… der kann ja abhauen. Solche Aussprüche meines (ansonsten vernünftigen) Ehemannes machen mich sehr wütend. So kann er auch nicht nachvollziehen, warum ich mich über gesteinigte Lehrerinnen aufrege. Die wollen (oder können) meist nicht fliehen, weil sie sich für die Kinder verantwortlich fühlen. Meiner Meinung nach möchten die Steiniger keine gebildeten Frauen. Die könnten ja Bücher lesen… und feststellen, wie sie schon seit Generationen vom Patriarchat kleingehalten werden.

Der Weltfrauentag…

entstand aus dem Wunsch nach Gleichberechtigung. Kämpferinnen (denn der Anfang war hart erkämpft : siehe wikipedia zum Thema) feierten ihre Revolte. Die Streiks für etwas gerechtere Bezahlung am Beginn wurden oft brutal niedergeknüppelt. Aber Frauen mussten ja schon immer zäh sein, und so setzt sich das Gerangel bis heute fort.

In der Politik findet man inzwischen einige Frauen mehr, wobei ich so manche von denen eigentlich doch lieber wieder am Herd sähe. Doch ich schweife ab… eine seltsame Blüte der Gleichberechtigungs-Bewegung trieb im Netz, und ich hab sie rausgefischt: Auch Raubkopiererinnen sind Verbrecherinnen (Warnplakat für Videotheken, gefunden bei golem). Die maskuline Form des Slogans hat die Mädels wahrscheinlich nicht genug angesprochen (: Die Aktion war 2005, ob sie in den Jahren seitdem wohl etwas bewirkt hat? :P

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